• Verena Mischitz

TV-Tipp: Kauf dir keinen Fernseher!

Der Fernseher ist längst zum Stamminventar im Haushalt geworden. Er gehört in jede Wohnung und jedes Haus wie Esstisch und Kochlöffel. Oft sogar mehrfach. Die TV-Nutzung ist so hoch wie nie. Trotzdem sagen immer mehr Menschen bewusst Nein zum Fernsehgerät. Warum?


Der Fernseher ist längst zum Kulturgut geworden. Der TV-Konsum steigt von Jahr zu Jahr an. Mit einer durchschnittlichen Fernsehnutzung von 192 Minuten pro Tag war 2018 ein Rekordjahr. Im Jahr zuvor betrug der Wert noch 186 Minuten.

Das sind mehr als drei Stunden, die die Menschen täglich vor dem Bildschirm verbringen. Rechnet man das auf ein Jahr, kommt man auf ganze 48 Tage, also eineinhalb Monate Lebenszeit, die im Jahr für die Lieblingsfilme und –serien draufgehen.


Fernsehen macht dumm


Ein ganz normaler österreichischer Alltag besteht also grob aus Arbeit und Fernsehen. Bei einem Vollzeitjob bleibt da nicht mehr viel Zeit für andere Dinge übrig.

Das trifft für manche zu, trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede bei den Altersgruppen. Menschen, die älter als 50 Jahre sind, schauen mit Abstand am meisten fern, gefolgt von den Jugendlichen ab 12 Jahren. Das populäre Vorurteil, dass Kinder die meiste Zeit vor dem Bildschirm verbringen ist schlichtweg falsch. Kinder von 3 bis 11 Jahren bilden mit Abstand die kleinste Gruppe.


Wir opfern also einen enormen Teil unserer Lebenszeit dem Fernsehen. Viele empfinden es als Entspannung, Ausgleich, als gemeinsames Erlebnis oder als einfache Bespaßung. Aber die ständige Unterhaltung macht etwas mit uns. Eine englische Studie zeigt jetzt, dass übermäßiger Fernsehkonsum den geistigen Verfall vorantreibt. 3.590 Seniorinnen und Senioren nahmen an der Untersuchung teil. Sie mussten sich möglichst viele Wörter merken und so viele Tierarten wie möglich aufzählen.


Nach sechs Jahren wurde der Test, unabhängig von der Gesundheit und dem Bildungsgrad der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wiederholt. Die Hirnleistung der Vielsehrinnen und Vielseher ließ um drei bis sechs Prozent mehr nach, als bei Wenigseherinnen und Wenigsehern.

Das Forscherteam erklärt sich das durch die Passivität, die mit dem Fernsehen einhergeht. Das Gehirn muss sich nicht aktiv anstrengen. Es fehlt das laufende Training. Übermäßiges Fernsehen macht tatsächlich dumm.


Es geht auch ohne


Der Fernsehkonsum kostet also Lebenszeit und Intelligenz. Da kann man sich schon die Frage stellen, wie viel man davon einem Medium einräumen möchte. Das ist auch der Grund, wieso sich viele junge Menschen gegen ein Fernsehgerät entscheiden.

Ist der Bildschirm weg, ist plötzlich die Zeit wieder da. In einer Gesellschaft, in der niemand Zeit für irgendwas hat, gibt es plötzlich wieder freie Momente.


Man kann wieder Bücher lesen, einen Sportkurs belegen, oder das alte Rezept von Oma ausprobieren. Völlig egal. Die Möglichkeiten sind unendlich, die Zeit zwar trotzdem begrenzt (die Arbeit sparen wir uns ja dadurch nicht), aber nicht von vorn herein ausgebucht.

Wird das Hirn nicht ständig mit Informationen vollgepumpt, ist das eine neue Form von Freiheit und Kreatitivät.


Es geht auch ohne. Das alles gilt natürlich auf für Social Media, aber das ist eine andere Geschichte.



Quellen: der.orf.at, Fancourt, Daisy/Steptoe, Andrew (2019): Television viewing and cognitive decline in older age: findings from the English Longitudinal Study of Ageing. Scientific Reports, 9, Nr. 2851.

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