• Verena Mischitz

Klimakrise: Feindbild Greta Thunberg

Der Klimawandel nimmt gravierende Ausmaße an. Viel früher als erwartet bekommen Menschen am gesamten Globus die Auswirkungen zu spüren. Und mittendrin Greta Thunberg, die zunehmend für viele als Bedrohung angesehen wird.


Greta Thunberg ist das Gesicht der Klimabewegung #fridaysforfuture. Seit 58 Wochen reist sie durch Europa und streikt jeden Freitag, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.

Um CO2 einzusparen segelte sie, statt das Flugzeug zu benützen, über den Atlantik zur UN-Klimakonferenz nach New York.

Im Sommer wurde Aktivistin mit dem Prix Liberté Preis in der Normandie, vor Kurzem mit dem Menschenrechtspreis von Amnesty International ausgezeichnet. Jetzt wird ihr der Alternative Nobelpreis verliehen.

Doch ihr Engagement stößt nicht nur auf Zuspruch. Nach ihrer Rede im französischen Parlament twitterte Guillaume Larrive, Parteimitglied der konservativen Republikaner: „Wir brauchen keine apokalyptischen Gurus.“ Andere Abgeordnete beschimpften sie als „Prophetin in kurzen Hosen“ und „Justin Bieber der Ökologie“.


Auch der Vorsitzende der AfD Sachsen, Maximilian Krah, schreibt abfällig über Thunberg auf Twitter. Sie brauche eine „Psychotherapeuten“, der ihre „Psychose“ bestätigen solle.

Die Kritik an der Klimaaktivistin kommt nicht nur von Seiten der Politik. Auch große Industrieunternehmen äußerten ihre Bedenken an Gretas Klimaengagement. Die OPEC, die weltweit größte Ölorganisation, sieht ihn der #fridaysforfuture-Bewegung sogar eine massive Bedrohung: „There is a growing mass mobilisation of world opinion... against oil" [and this is] "perhaps the greatest threat to our industry going forward".

Greta kommentierte diese Aussage mit ihrem bisher größten Erfolg. Ein Zeichen, dass sie und ihre Arbeit ernst genommen werde.

Woher kommt die Angst?


Viele Unternehmen und Regierungen haben die Befürchtung, dass die Klimaproteste Einfluss auf das Verhalten der Menschen und ferner auf die Wirtschaft haben. Denn die Bewegung unter Gretas Führung ist groß. Sehr groß.

Weltweit beteiligen sich jede Woche mehrere tausend Menschen an den Schülerstreiks, stehen für mehr Klimaschutz ein und kämpfen für eine umweltfreundlichere Zukunft.

Eine Sache, die in der Politik viele Jahre nicht thematisiert und unter den Teppich gekehrt worden ist. Doch die Auswirkungen des Klimawandels sind nun viel früher als erwartet und von der Wissenschaft berechnet spürbar: in Form von Trockenheit, Überschwemmungen und unerträglicher Hitze. In den USA wurden heuer bis zu 43 Grad Celsius gemessen, auch in Paris sind die Temperaturen im Juli dieses Jahres über die 40 Grad Grenze gestiegen. Die Arktis brennt. Permafrostböden tauen auf. Der Amazonas geht in Flammen auf.


Klimaschutz im Kapitalismus


Die Dringlichkeit der Klimakrise ist unbestreitbar. Das hindert jedoch niemanden das Problem zu ignorieren. In ihrer passionierten Rede vor den Staats- und Regierungschefs beim UN-Klimagipfel übte Greta Thunberg Kritik am profitorientierten Wirtschaftssystem und die fehlenden Maßnahmen einer wirksamen Klimapolitik: "Wir stehen am Beginn eines Massensterbens und alles worüber ihr sprechen könnt, sind Geld und Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum - wie könnt ihr es wagen?"

Doch mit ihrem Appell endlich auf die Erkenntnisse Wissenschaft zu hören und Schritte gegen die negativen Auswirkungen der Klimakrise zu unternehmen und die Erderwärmung zu stoppen, macht sie sich unbeliebt. Denn ihre Forderungen bohren tief in den Wurzeln der kapitalistischen Lebensweise und Gretas Forderungen verlangen keine einfache Veränderung. Sie fordert ein Umdenken im System.


In einem System, in welchem Konsum und Wirtschaftswachstum an erster Stelle stehen, kann der Umweltschutz keine Priorität haben. In der Politik als auch der Wirtschaft gilt der Tenor: Gewinnmaximierung vor Umweltschutz. Der Zusammenbruch von Ökosystemen oder das Aussterben unzähliger Tierarten spielen eine untergeordnete Rolle, sofern die Geschäfte rentabel sind.

Genau hier setzt Thunberg und ihre Bewegung an und trifft einen wunden Punkt. Sie schafft Bewusstsein und verlangt eine Verhaltensänderung von den Konsumentinnen und Konsumenten. Sie steht für einen umweltfreundlichen Lebensstil, damit eine Zukunft auf einen gesunden Planeten gesichert ist. Sie plädiert für Maßnahmen, die die Konzernchefs der Welt um ihre Gewinne bringen und die Untätigkeit der Politik auf eine Bühne stellt.

Sie hat es geschafft, das Thema Klimaschutz in den Mittelpunkt politischer und wirtschaftlicher Diskussionen zu stellen.

Eine 16-jährige sagt dem Kapitalismus den Kampf an und Angst macht sich breit in den Machthäusern dieser Welt.


Quellen: bbc.com, afp.com

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