• Verena Mischitz

Kipppunkte: Stille Selbstzerstörung

Der Regenwald brennt. Das Ausmaß ist verheerend – über 80.000 Brände wurden heuer gezählt, 20.000 sind noch immer ungelöscht. Geht es so weiter, steht der „Tipping Point“ bevor.


Kipppunkte, sogenannte „Tipping Points“, sind Grenzen, an denen das Klima beginnt, sich selbst zu zerstören. Werden diese überschritten, wird ein Kreislauf in Gang gesetzt, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Alle Maßnahmen, die der Mensch gegen die Klimakrise dann unternehmen würde, wären nutzlos.

Das lässt sich beispielsweise bei den Permafrostböden beobachten. Jahrhunderte waren Gase, wie Methan, im Eis dieser Böden gefangen. Durch die Erderwärmung wird der Tauprozess beschleunigt und die unter der Erde liegenden Gase werden freigesetzt. Methan ist 23-mal schädlicher als CO2. Gelangt das Gasgemisch in die Atmosphäre, führt das wiederum zu einer Intensivierung des Klimawandels. Je mehr Schadstoffe freigesetzt werden, desto eher nähern wir und dem Punkt, an dem sich nichts mehr rückgängig machen lässt.


Die Erde, der Feuerball


Dasselbe Szenario gilt auch für den Regenwald. Der Amazonas-Regenwald produziert 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs. Rund 80 Millarden Tonnen CO2 sind in den Bäumen und Pflanzen des Amazonas-Gebietes gespeichert. Eine, angesichts der aktuellen Brände und Rodungen, schwindende Zahl.

Thomas Lovejoy, einer der weltweit renommiertesten Ökologen, untersucht seit Jahrzehnten den Regenwald. Seine Forschungen zeigen eine fatale Erkenntnis: Ab einer Abholzung von 20 bis 25 Prozent, erreicht der Regenwald seinen Kipppunkt und beginnt sich selbst zu zerstören. Wie ist das möglich?


Die hohe Sonnenintensität lässt große Mengen am Wasser im Regenwald verdunsten. Es bilden sich Wolken, aus denen das Wasser in Form von Regen wieder zurück in den Wald gelangt. Kommt es nun zu vermehrter Abholzung und eine Erhöhung der globalen Temperatur, kann weniger Wasser verdunsten. Weniger Regen führt zu mehr Trockenheit, die die Pflanzen nach und nach absterben lässt. Haben die Bäume den Kohlenstoff bei intaktem Zustand aufgenommen, setzen sie dieses mit ihrem Sterben frei und geben es in die Luft ab. Ein Negativkreislauf.


Es fehlt nicht viel bis dahin. Die Abholzungsquote liegt derzeit bei 19,3 Prozent. Die Zahlen sprechen für sich. Es stellt sich also die Frage, wie viel uns unser Leben und das unser Nachfahren auf unserem Planeten Wert ist. Wofür soll die Menschheit auf’s Spiel gesetzt werden? Ein feines Steak im Nachbarsrestaurant? Für ein Paar Würsten beim nächsten Grillabend? Wir Europäerinnen und Europäer stehen genauso in der Pflicht.

Im Moment kommt höchstwahrscheinlich keine Wohnung, kein Haus in Österreich ohne Tropenholz aus. Die Konsumentinnen und Konsumenten tragen unsere Mitschuld an den Bränden und können demnach auch einen großen Beitrag gegen die Abholzung leisten.

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage gilt nach wie vor.


Der Regenwald steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Leben der Menschen auf der Erde. Lovejoy hat das treffend formuliert: „Was dem Regenwald schadet, schadet der Menschheit – was ihn rettet, rettet die Erde.“


Quelle: brandeins.de

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