• Verena Mischitz

Die Krux mit dem Fliegen

Aktualisiert: 26. Sept 2019

Fliegen boomt. Die Besucherzahlen steigen stetig. Der Flughafen Wien steuert mit einem Passagierzuwachs von 20 Prozent auf ein Rekordjahr zu. Ein neues Projekt um Ausbau des Klagenfurter Flughafens ist in Planung. Was bei Klimaschützern Kopfschütteln auslöst, ist für andere ein gutes Geschäft.


Ein Fünftel mehr Reisende im ersten Halbjahr – der Flughafen Wien fertigte in diesem Jahr bereits 17,8 Millionen Passagiere ab. Es soll das stärkste Jahr seit Beginn der Flughafengeschichte sein. Allein im Vorjahr stieg das Passagieraufkommen in Österreich um 9,6 Prozent. Das bedeutete 31,7 Fahrgäste. Und es wird noch mehr.

Seit April 2019 steht, fest, dass die dritte Piste am Flughafen Wien gebaut werden darf. Der Betreiber wirbt mit drei Millionen zusätzlichen Fahrgästen. Dadurch sollen 30.000 Arbeitsplätze entstehen.


Doch die Durchsetzung hat auch viel Widerstand gebracht. Zahlreiche Bürgerinitiativen kämpften erfolglos gegen die Umsetzung des Projekts. Denn was vorerst gut klingt, bleibt nicht ohne Folgen. Durch das vermehrte Flugaufkommen werden auch die Treibhausgasemissionen erhöht. Es kommt zu einer Bodenversiegelung und damit einem Verlust von Biodiversität und landwirtschaftlicher Nutzfläche. Zusätzlich entsteht eine erhöhte Lärmbelastung für die umliegenden Bewohnerinnen und Bewohner und bewirkt damit zu einer Verminderung der Lebensqualität.


Ausbau statt Schließung


Szenenwechsel. Die Lilihill GmbH, die neuen Eigentümer des Klagenfurter Flughafens, planen, das wurde im August bekannt, einen Generalumbau des Kleinflughafens. Dieser soll von 230.000 Passagieren auf eine Million pro Jahr wachsen. Dafür will man mehr als eine Milliarde Euro investieren. Nebenher soll zusätzlich ein Hotel, sowie ein Wirtschafts- und Logistikzentrum entstehen.


Wieder bringt das Projekt Arbeitsplätze und fördert den Wirtschaftsstandort.

Der Flughafen Klagenfurt bietet im Moment sechs Flugdestinationen an: Köln, London, Rotterdam, Kefalonia, Rhodos und Wien. Letztere wir am häufigsten angeboten. Ein Inlandsflug, der gerade einmal 45 Minuten dauert.




Inlandsflüge sind vor allem Verbindungs- und Anschlussflüge. Der Umstieg von einem Flugzeug ins nächste ist also günstiger als auf die Bahn oder den Bus wechseln.

Günstiger ist aber nicht immer sinnvoll, vor allem nicht für die Umwelt.

Wie viel ist ein Wirtschaftsstandort wert wenn er auf der einen Seite Arbeitsplätze schafft, auf der anderen Seite, aufgrund der Auswirkungen der Klimakrise, Menschenleben in Kauf nimmt?


Klagenfurt ist mit Abstand der kleinste Flughafen Österreichs. Hier gibt es auch keine Cargo-Flüge, im Gegensatz zu seinen Nachbarflughäfen. 2017 wurde aufgrund des desolaten Zustandes der Piste bereits über eine Schließung diskutiert.

Die neuen Investoren retteten das den Standort mit ihren Plänen einer Generalsanierung.


Angebot und Nachfrage


Wieso werden also Flughäfen, angesichts der negativen Auswirkungen auf Natur und Mensch, ausgebaut? Weil sie kurzfristige und schnelle Gewinne bringen. Und weil fliegen für die Konsumentinnen und Konsumenten leistbar gemacht wird. Durch den steigenden Konkurrenzkampf der Fluglinien sinken auch die Preise. Dadurch muss man sich auch nicht zweimal überlegen, ob man dieses Mal doch das Zugticket leistet, anstatt in der Luft zu reisen. Somit steigt auch die Nachfrage und der Bedarf nach einem Ausbau und weiteren Investments in klimaschädliche Projekte.

Solange sich der Konsum nicht ändert, solange nicht freiwillig auf das Fliegen verzichtet wird, werden weitere Flughäfen gebaut und erweitert werden.

Und wegen der Arbeitsplätze: Die können auch beim Ausbau eines Bahnsystems und der Errichtung einer klimafreundlichen Infrastruktur geschaffen werden.


Quellen: apa, Statistik Austria

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