• Verena Mischitz

Der Feuermacher

Aktualisiert: 29. Sept 2019

Die ganze Welt zeigt im Moment mit dem Zeigefinger auf Brasiliens Staatsmann Jair Bolsonaro. Er wird für die massiven Waldbrände im Amazonasgebiet verantwortlich gemacht. Was jedoch dabei vergessen wird: Er ist ein demokratisch gewählter Präsident. Die Bevölkerung trägt ihre Mitschuld an der Katastrophe.


Der Amazonas brennt. Das brasilianische Weltrauminstitut INPE berichtete von über 80.000 Brandherden. Das sind 84 Prozent mehr als 2018. Die Feuer betreffen längst nicht nur Brasilien - sie haben sich auf die Nachbarstaaten Bolivien und Paraguay ausgeweitet.

Brände sind im Amazonasgebiet grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, die Anzahl ist jedoch so hoch wie noch nie.


Und Schuld daran ist Jair Bolsonaro, Staatschef Brasiliens. Er unterstützt mit seiner Politik die Agrarlobby, die das Land des Amazonas für den Ackerbau und die Viehweide nutzen will. Dafür muss abgeholzt und gerodet werden. Das erfolgt zu einem großen Teil durch Brandrodung, mehr oder weniger illegal und vielfach in Gebieten der indigenen Bevölkerung.

Was für die Natur und die dort angesiedelten Bewohner Zerstörung bedeutet, ist für die Landwirtschaft ein lukratives Geschäft.


Das wird in Brasilien jedoch entweder totgeschwiegen oder verschleiert. Tagelang gab es kaum Berichterstattung über die Zustände im Amazonasgebiet. Bolsonaro ist nicht gerade bekannt dafür, ein Freund der Fakten zu sein. Gerne dementiert er Beweise für den Klimawandel, leugnet die Ausweitung der Rodungen oder macht, wie unlängst, NGOs für die Ausbreitung der Brände verantwortlich.


Posting statt Wahlgang


Die Bevölkerung äußerte sich kaum dazu – bis die Rauchwolken der Waldbrände São Paulo erreichten und die Stadt verdunkelten. Die Metropole ist etwa 3.000 Kilometer vom Amazonasgebiet entfernt. Das Ereignis rüttelte die Menschen wach.

Seither geht ein Aufschrei durch die sozialen Medien. Videos und unzählige Bilder der Brände wurden geliked und geteilt. Es wird für den Amazonas gebetet und zum Handeln aufgerufen.

Die ganze Welt blickte auf die meterhohen Flammen „ihrer Lunge“. Erstarrt. Denn was stattdessen notwendig wäre, ist Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Die Bevölkerung Brasiliens hat den Präsidenten und seine Politik schließlich gewählt.


Die Abholzung des Regenwaldes und die Schaffung von größeren Ackerflächen war Teil seines Wahlkampfes, ein zentrales Versprechen an die Agrarlobby.

2018 hat niemand #prayforamazonas getwittert, als der Präsident den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hat. Er ist für die Todesstrafe und sympathisiert mit einer Militärdiktatur, beschimpft die indigene Bevölkerung und hasst Schwule. Gewählt wurde er trotzdem.


Dass der Amazonas jetzt in noch nie dagewesener Form in Flammen aufgeht ist eine Katastrophe und trotzdem wenig verwunderlich. Gleich wenig überraschen wie ein Rechtsaußen-Politiker in Österreich die Republik verscherbeln wollte und mit der rechtsradikalen Szene sympathisiert. Die Anzeichen waren auch hier vor der Wahl da.


Die Suche nach dem Sündenbock


Jair Bolsonaro trägt also nicht die alleinige Schuld an dem Drama des Regenwaldes. Die Bevölkerung hat ihn unterstützt und damit auch seine Umweltpolitik.

Die Menschheit stürzt sich ganz alleine ins Verderben. Es hat wenig Sinn mit dem Zeigefinger auf gewählte Staatsmänner zu zeigen, um eine Schuldige bzw. einen Schuldigen zu finden. Wir müssen die Schuld auch bei uns selbst suchen.


Das betrifft nicht nur die brasilianische Bevölkerung, sondern auch die Menschen in Europa. Demokratie, mit all ihren Schwächen, lässt das Volk über die Politik eines Landes entscheiden. Die Wählerinnen und Wähler stehen in der Verantwortung.

Sie können über ihre Zukunft bestimmen und die Gesellschaft gestalten. Wir alle können an einer klimafreundlichen Gesellschaft arbeiten.

Der Populismus blendet und zündet Feuer. Das Löschwasser steht in Reichweite.

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